Prismenbrille: Meine Erfahrungen mit der Sicherungsbrille beim Klettern

Prismenbrille: Meine Erfahrungen mit der Sicherungsbrille beim Klettern

Ich verwende beim Klettern schon seit vielen Jahren eine Sicherungsbrille, um den gefürchteten Nackenschmerzen entgegen zu wirken, die man als Sichernder schnell bekommt, wenn man längere Zeit nach oben schauen muss. Mein erstes Modell war die CU Sicherungsbrille, die – soweit ich weiss – die erste Prismenbrille für Kletterer auf dem Markt war.

Fallende Preise – gute Qualität

Die CU Brille hat früher deutlich über 100 Euro gekostet. Da es keine Auswahl gab, hat man sich mit dem Preis abgefunden und sie sich gekauft oder es gelassen. Ich habe damals schon häufiger Probleme mit den Halswirbeln und Nackenschmerzen gehabt, weil ich viel am Monitor arbeite und mir deshalb die CU-Brille gekauft. Den Kauf habe ich bis heute nicht bereut, denn die Brille hat mir sicher viele gesundheitliche Probleme mit Hals und Nacken gespart.

Allerdings muss man sagen, dass die CU-Prismenbrille schon lange nicht mehr meine Empfehlung ist. Die gebogenen Edelstahlbügel, der fehlende Schutz für die Prismen und der hohe Preis sind aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß. Auch Kleinigkeiten wie ein Brillenetui, das man sich an den Klettergurt hängen kann, sucht man bei der CU-Brille vergeblich.

Die CU Sicherungsbrille von Power'n Play ist vermutlich die erste Prismenbrille, die ich am Markt entdeckt habe.
Die CU Sicherungsbrille von Power’n Play ist vermutlich die erste Prismenbrille, die ich am Markt entdeckt habe (Foto: J. Kleinholz).

Mittlerweile sind einige Mitbewerber am Markt, die hochwertige Qualität zu sehr passablen Preisen anbieten. Zu nennen wäre da zum Beispiel Y&Y mit der Plasfun Prismenbrille oder auch Topside mit dem neuen Modell. Mit ca. 40 Euro kann man also schon eine hochwertige Sicherungsbrille kaufen, die man dann viele Jahre nutzen kann.

Meine Erfahrungen im Praxis-Einsatz

Ich habe nun schon einige Modelle verschiedener Hersteller testen können, da ich diese oft kostenlos für einen Test zugeschickt bekomme. Basierend auf diesen Erfahrungen möchte ich euch kurz schreiben, auf was ihr bei der Auswahl einer Prismenbrille für’s Sportklettern achten solltet:

  • Prismenbrille verdeckt möglichst wenig vom Sichtfeld
  • die Prismen sind durch einen Rahmen geschützt, falls die Brille mal runter fällt
  • die Brille sollte ein möglichst geringes Gewicht haben (40-50 Gramm)
  • ein Brillenband sollte im Lieferumfang sein
  • ein Etui mit Karabinerhaken sollte im Lieferumfang sein

Der aus meiner Sicht der wichtigste Punkt bei der Auswahl ist die möglichst geringe Einschränkung des Sichtfeldes. Ich habe schon Prismenbrillen im Einsatz gehabt (z.B. das Modell von TooB), die quasi das komplette Auge abdecken und nur den Blick durch die Prismen erlauben. Das ist extrem unpraktisch, wenn man den Kletterer beim Einstieg beobachten möchte oder mal Krangeln aus dem Seil entfernen muss.

Die Brille links von Topside verdeckt quasi keinen Bereich im Sichtfeld des Sichernden, während die TooB-Sicherungsbrille mit dem dicken Kunststoff eigentlich nur den Blick durch die Prismen zuläßt.
Die Brille links von Topside verdeckt quasi keinen Bereich im Sichtfeld des Sichernden, während die TooB-Sicherungsbrille mit dem dicken Kunststoff eigentlich nur den Blick durch die Prismen zuläßt.

Bei einer optimalen Sicherungsbrille kann man in diesen Fällen einfach an den Prismen vorbei schauen und alles erledigen. Ist der Blick aber durch zuviel Kunststoff verdeckt, muss man entweder die Brille abnehmen – wobei man dann für einige Sekunden nicht mehr richtig sichern kann – oder man muss den Kopf verdrehen, so dass man durch die Prismen zum Boden schauen kann – was auch die Aufmerksamkeit vom Kletterer weg lenkt. Beides keine optimalen Lösungen, die zu Lasten der Sicherheit gehen.

Vorteile für Hals- und Nackenmuskulatur

Wenn man mal längere Zeit einen Kletterer im Vorstieg ohne Prismenbrille gesichert hat, wird man merken, wie sich die Nacken- und Halsmuskulatur nach und nach immer mehr verspannt. Nicht selten erfährt man dann, wie sich ein „steifer“ Hals oder ein verspannter Nacken anfühlt. Dies läßt sich – meiner Erfahrung nach – mit einer guten Prismenbrille sehr leicht verhindern. Durch die Prismen an der Brille kann man nämlich den Kopf so halten, als würde man nach vorne blicken, aber dennoch wird der Blick nach oben zum Kletternden gelenkt und man sieht den Kletterpartner bei seiner „Arbeit“ zu.

Hier der Blick durch die Y&Y Plasfun Kletterbrille: Man sieht gut, dass man auch ringsum das Prisma noch viel von der Kletterwand erfassen kann. Das ist extrem hilfreich, wenn der Kletterpartner noch beim Einstieg der Route ist.
Hier der Blick durch die Y&Y Plasfun Kletterbrille: Man sieht gut, dass man auch ringsum das Prisma noch viel von der Kletterwand erfassen kann. Das ist extrem hilfreich, wenn der Kletterpartner noch beim Einstieg der Route ist.

Wenn ich die Brille in seltenen Fällen beim Klettern mal nicht aufgesetzt habe, ärgerte ich mich eigentlich schon nach wenigen Minuten, dass ich sie nicht genommen hatte. Es ist einfach viel angenehmer, wenn man entspannt geradeaus schauen kann, anstatt ständig den Kopf nach oben verbiegen zu müssen.

Fazit: Lohnt sich eine Prismenbrille?

Hier kann ich nur ein ganz klares „Ja“ abgeben. Besonders wenn der Kletterpartner im Vorstieg unterwegs ist, muss man ja quasi ständig nach ihm schauen, um zu sehen, ob er Seil benötigt, gerade klippt oder man Seil einholen muss. Und dieses lange Beobachten, ohne Entspannungsphasen für die Hals- und Nackenmuskulatur, ist extrem anstrengend und unangenehm, wenn man keine Sicherungsbrille benutzt.

Ich würde aus dem Grund jedem empfehlen, sich solch eine Brille zu kaufen. Sie sind teilweise schon sehr günstig zu haben und machen das Sichern soviel angenehmer, dass es keiner großen Überlegung bedarf, ob man sich eine Brille kaufen sollte oder nicht. Welche Modelle ich empfehle, kannst du auf der Startseite nachlesen.